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Samstag, 14. November 2009 |
Gesamtschule gestern, heute und morgen |
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von Herbert Kastner (11.11.2009)
Die Robert-Bosch-Gesamtschule hat als erste Gesamtschule in Niedersachsen am 1. August 1969, also vor 40 Jahren, ihre Arbeit zunächst als „Vorstufe“ aufgenommen, bevor sie 1971 „richtige“ Gesamtschule wurde. Das Kollegium hat damals unter sehr schweren Bedingungen „Pionierarbeit“ geleistet und mit den „Rahmenplänen“ erste Grundlagen für die Entwicklung aller Gesamtschulen in Niedersachsen geschaffen. Das wohl wesentliche Ziel der neuen Schule war die Förderung und Forderung eines jeden Schülers und einer jeden Schülerin bis zum bestmöglichen Schulabschluss. Die Unsicherheit von Schullaufbahnempfehlungen nach dem 4.Schuljahr, die Abhängigkeit des Besuchs einer bestimmten Schule von der sozialen Herkunft und die Fragwürdigkeit eines statischen Bildungsbegriffs ließen es nicht zu, Schüler und Schülerinnen in bestimmte, nach dem herrschenden Schulsystem gegliederte Klassen vorzusortieren. Ein weiterer Grundsatz für die schulische Arbeit forderte, „anderes anders zu lernen und zu lehren“. Dass die kollegiale Zusammenarbeit aller Lehrerinnen und Lehrer die RBG zum „Deutschen Schulpreis“ geführt hat, verdient Anerkennung und Dank.
Schon in den ersten Jahren wurde die Integrierte Gesamtschule aus bestimmten Kreisen mit einem Gymnasium verglichen. Das betraf damals zunächst die Stellenstruktur. Es war nicht einfach, eine gesamtschulspezifische neue Ämterstruktur mit Jahrgangsleiter, Stufenleiter, Didaktischem Leiter und kollegialer Schulleitung und die entsprechenden Einstufungen im Besoldungsgesetz und im Landeshaushalt durchzusetzen. Jede Veränderung der Struktur, in der jedes Amt exakt beschrieben werden musste, könnte die Einstufungen und damit ihren ganzen Aufbau ins Wanken bringen. Mit dem Argument einer wirklich neuen Schule haben wir immer die Meinung vertreten, kein Alternativ-Gymnasium und keine gymnasiale Alternative zu entwickeln, sondern wollten das dreigliedrige Schulsystem ersetzen. Daher lehnten wir Vergleiche mit dem Gymnasium ab. Dass dies anscheinend immer noch nicht begriffen wird, zeigt unter anderem das „Turbo-Abitur“, das den Integrierten Gesamtschulen mit dem Vergleich mit dem Gymnasium aufgezwungen wird.
Weil, wie bereits gesagt, die Prognosen eines bestimmten Schulabschlusses sehr unsicher sind und einem so genannten statischen Begabungsbegriffs kaum noch gefolgt werden kann, erscheint es auch zumindest fragwürdig, sich auf die Schullaufbahnempfehlung allein zu verlassen. Die Gesamtschule ist für alle Kinder da und ist deshalb für lernstarke und lernschwache Schüler in gleicher Weise verantwortlich. Trotzdem erscheint es sehr bedenklich, für die Aufnahme in die Gesamtschule von 45% gymnasial empfohlenen Schülern und Schülerinnen auszugehen. Sollte eine solche Maßnahme vielleicht zu einem besseren Gymnasium führen? Das wäre ein Rückfall in alte, von den Gesamtschulen immer abgelehnte Vergleiche.
Gesamtschulen haben sich auch unter Zwangs-Bestimmungen weiterentwickelt. Sind sie deshalb „moderner“ geworden, und worin läge ihre „Modernität“? Und sind jene, die die Grundlinien der Integrierten Gesamtschule geschaffen haben und diese nach wie vor vertreten, deshalb „antiquiert“? Aus solchen Äußerungen spricht eine unkritische Selbsteinschätzung und eine nicht angebrachte Arroganz. Lernfähigkeit setzt nun einmal Selbstkritik voraus. Wer aber nur augenblicklichen Zeitströmungen folgt, verliert leicht den Blick für das Wesentliche.
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